St. Antonius-Hospital Gronau GmbH
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„Listen to your heart“ – 
Herzerkrankungen in Pandemie-Zeiten

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Was viele in der Patientenversorgung tätige Kardiologen subjektiv in der Pandemie bemerkten, haben jetzt nationale und internationale Untersuchungsreihen bestätigen können: Die Pandemie führt zur einer Vermeidung von Arztbesuchen und infolgedessen zum Rückgang notwendiger Behandlungen, trotz steigenden Bedarfes.

PD. Dr. med. Alexander Samol, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am St. Antonius-Hospital Gronau bestätigt das: „In den letzten 16 Monaten habe ich viel häufiger 'verschleppte' Herzinfarkte gesehen, als in den Jahren vor Corona" berichtet der Experte. „Aus Angst vor einer Infektion bleiben viele Patienten zu Hause und vernachlässigen oder verschieben wichtige ambulante oder stationäre geplante Behandlungen bei chronischen Erkrankungen. Selbst bei akut einsetzenden Beschwerden versuchen viele Menschen, die Problematik lange auszusitzen. Was viele Patienten dabei in ihren Überlegungen nicht berücksichtigen, sind die möglicherweise schwerwiegenden Konsequenzen durch eine verzögerte Behandlung", warnt Dr. Samol.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat jetzt erstmalig eine Zusammenfassung über kardiovaskuläre Behandlungszahlen in der Pandemie veröffentlicht. Ergebnis: Die stationären Einweisungen mit Herzschwäche gingen nach den Ergebnissen einer amerikanischen Studie um mehr als ein Drittel zurück. Der gleiche Rückgang ist in einigen Regionen Deutschlands bei invasiven Katheteruntersuchungen für das letzte Jahr zu verzeichnen. Dabei ist es insgesamt zu einer zweistelligen prozentualen Zunahme der Sterblichkeit an Herzerkrankungen gekommen. Eine gefährliche Entwicklung! Die Studie belegt einen Zusammenhang zwischen höherer Sterblichkeit durch kardiale Erkrankungen – auch ohne COVID-Infektion der Patienten – und verzögerter, bzw. fehlender Therapie aufgrund des veränderten Patientenverhaltens während der Pandemie.

„Gerade die Kombination aus einer unzureichend behandelten chronischen Erkrankung und einer akuten Infektionserkrankung wie COVID19 verschlechtert das Outcome für dieses Hochrisikokollektiv zusätzlich", erklärt Dr. Samol, „Daher ist eine optimale Behandlung der Grunderkrankung und die regelmäßige ärztliche Kontrolle enorm wichtig. Als Akutkrankenhaus bieten wir hier das gesamte Spektrum der modernen Kardiologie, inkl. Notfallversorgung an. Bevor es aber zum Notfall kommt, ist der frühzeitige Gang zum Hausarzt oder Herz-Spezialisten die beste Grundlage für einen optimalen Therapieverlauf."

Bei plötzlich einsetzenden Beschwerden, wie Druckgefühl in der Brust oder einsetzende Luftnot, kann eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels, also ein Herzinfarkt, hinter der Symptomatik stecken. Hier ist eine frühestmögliche Wiederherstellung der Durchblutung notwendig, um bleibende Schäden am Herzen, wie die Entstehung von großen Narben oder, im schlimmsten Fall, einen plötzlichen Herztod verhindern zu können. Chefarzt Dr. Samol appelliert eindringlich: „Listen to your heart! – Hören Sie auf ihr Herz und stellen Sie sich bei akuten Beschwerden umgehend ärztlich vor oder alarmieren Sie den Rettungsdienst!"

In der Klinik für Kardiologie und Angiologie am St. Antonius-Hospital Gronau mit der angeschlossenen Zentralen Notaufnahme steht rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ein fachärztliches kardiologisches Expertenteam zur Verfügung – etwa für eine akute Herzinfarktbehandlung. Die technische Ausstattung, wie etwa der Linksherzkatheter, ist hervorragend.

Chefarzt PD Dr. Alexander Samol, der einen Lehrauftrag an der Ruhruniversität Bochum hat, legt großen Wert auf sehr gute Kommunikation mit allen Beteiligten: „Das Wichtigste ist für uns der Dialog auf Augenhöhe, insbesondere in Notfällen", berichtet der Kardiologe, „Wir wissen, in welcher Anspannung und besonderen emotionalen Verfassung sich Patienten und deren Angehörige oft befinden. Wichtig ist hier die ruhige, besonnene und hochprofessionelle Herangehensweise. Ich erlebe, dass die örtlichen Rettungsdienste hier sehr kompetent sowie gut aufgestellt sind und uns die Patienten optimal vorversorgt übergeben. Das ist im Notfall von größter Bedeutung. Einige der niedergelassenen Kollegen konnte ich in meinen ersten Monaten hier in Gronau schon besuchen und kennenlernen. Ich stelle fest, dass die Mediziner mit ihren Teams in den Praxen nicht nur hervorragende Arbeit leisten, sondern sich kooperativ zeigen. Das ist toll", ist Dr. Samol begeistert und wiederholt seinen Appell: „Hören Sie auf Ihr Herz, gehen Sie frühzeitig zum Arzt – auch und besonders in Zeiten von Corona!"

 

Bild: Der Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie, PD. Dr. med. Alexander Samol (Mitte) mit seinem Oberarzt-Team vor dem Linksherzkatheter (v.l.) Muhammad Alsarrag, Julijana Shorko Andreevska, Dr. med. Jeanette Schwerdtfeger und Yazan Al-Kilanie

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