125 Jahre St. Antonius-Hospital Gronau
Menschlichkeit. Kompetenz. Nähe.

125 Jahre St. Antonius-Hospital Gronau

Seit 1901 im Mittelpunkt: der Mensch. Was als kleine Einrichtung der Franziskanerinnen begann, ist heute ein modernes Gesundheitsunternehmen mit rund 1.700 Mitarbeitenden. Begleiten Sie uns auf einer Reise durch 125 Jahre Geschichte.

Unsere Wurzeln

Aus christlicher Verantwortung – die Gründung

Als das St. Antonius-Hospital am 3. Dezember 1901 seine Türen öffnete, war es mehr als ein medizinisches Versorgungsangebot. Es war Ausdruck gelebten christlichen Glaubens und sozialer Verantwortung – getragen von den Kirchengemeinden vor Ort, den Ordensschwestern aus Münster St. Mauritz – und ganz ohne Ärzte.

Die Geschichte der Gesundheitsversorgung in Gronau begann bereits ein paar Jahre zuvor. Am 18. Oktober 1897 begannen Schwester Remperta und Schwester Luca aus der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz mit der ambulanten Pflege in Gronau. Sie wohnten zur Miete und zogen von Haus zu Haus, wo sie Kranke pflegten.

Die Lebensverhältnisse in Gronau hatten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewandelt. Industrialisierung und Bevölkerungswachstum führten zu neuen sozialen Herausforderungen. Krankheit bedeutete für viele Menschen existenzielle Not. Pfarrer Joseph Schwering erkannte als einer der ersten die Notwendigkeit, in Gronau ein Krankenhaus zu bauen.

Die Kosten dafür konnten über Spenden aufgebracht werden: Von Pfarrer Schwering kamen 12–15.000 Mark, vom Bischöflichen Generalvikariat 10.000 Mark und von der reichen Textildynastie van Delden insgesamt 15.000 Mark. Das nach den Plänen des Dombaumeisters Hertel in den Jahren 1900 und 1901 erbaute und am 1. Dezember 1901 feierlich eingeweihte Gebäude war ein echtes Gemeinschaftsprodukt. Die Einweihung erfolgte pünktlich zum Goldenen Jubiläum von Pfarrer Joseph Schwering und wird daher als Jubiläumsgabe bezeichnet.

Auch die Wahl des Standortes unterstreicht die enge Verbindung zwischen Kirche und Krankenhaus: Das Grundstück wurde eigens erworben und bewusst als „mit feinem Empfinden ausgesuchter Platz der Stadt“ beschrieben. Planung und Bau waren Gegenstand heftiger Diskussionen: Die ersten Entwürfe bezeichnete das bischöfliche Generalvikariat als „so mangelhaft“ und „so unzweckmäßig, daß dieselben in dieser Form keine weitere Berücksichtigung verdienen“.

Doch nicht der Baumeister war entscheidend für den späteren Erfolg des Hauses, es waren die Menschen, die dort arbeiteten. Prägend waren die Franziskanerinnen aus Münster St. Mauritz. Sie übernahmen die Pflege der Kranken und führten das Krankenhaus. Ihr Dienst war mehr als eine berufliche Aufgabe – er war Ausdruck ihrer Ordens-Überzeugung: Nächstenliebe, Demut und die Hinwendung zu den Schwächsten.

Die 50 Betten reichten schon bald nicht mehr aus. Der erste Erweiterungsbau in den Jahren 1926/28 sorgte dafür, dass 200 Betten aufgestellt werden konnten. Schon damals galt das „Anton“ als eines der besteingerichteten und modernsten Krankenhäuser Westfalens – mit Lungenabteilung und Wöchnerinnenheim.

Bis heute geblieben ist die enge Verbindung des St. Antonius-Hospitals zur Katholischen Kirche. Das Haus befindet sich weiterhin in der Trägerschaft der Kirchengemeinden St. Agatha in Epe und St. Antonius in Gronau. Damit spannt sich ein Bogen über 125 Jahre: von den ersten Schritten einer kleinen Einrichtung, getragen vom Glauben und der Verantwortung für den Nächsten, bis hin zu einem modernen Krankenhaus.

Unsere Gründungsgeschichte erzählt nicht nur von einem Krankenhaus. Sie erzählt von dem Versprechen, aus christlicher Überzeugung heraus für andere da zu sein. Ein Versprechen, das vor 125 Jahren gegeben wurde – und das bis heute gilt.

 

1901 – 2026

Ein Zeitstrahl durch 125 Jahre

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Mit der Eröffnung entsteht aus der Mitte der Pfarrgemeinde St. Antonius Gronau heraus ein Ort der Fürsorge, getragen von den Franziskanerinnen aus Münster-Mauritz. Sie kamen um 1899 nach Gronau und zogen zunächst von Haus zu Haus. Jetzt bekommen sie ihr Krankenhaus, in dem sie sich um Kranke und Bedürftige kümmern können. Das Krankenhaus war eine Jubiläumsgabe der Pfarrgemeinde an den damaligen Pfarrer Josef Schering anlässlich seines goldenen Jubiläums.

Die Einwohnerzahl Gronaus war zwischen 1901 und 1926 von 8.000 auf 14.500 gestiegen. Für diesen enormen Bevölkerungsaufschwung war das Krankenhaus nicht ausgestattet. Am 4.4.1926 fasste das Kuratorium einstimmig den Beschluss zur Erweiterung. Nach zweijähriger Bauzeit erfolgte am 22.4.1926 die feierliche Einweihung des Neubaus. Es gab beheizbare Glasveranden, moderne Operationssäle und Röntgenräume. Danach gehörte das St. Antonius-Hospital zu den modernsten und medizinisch-technisch besteingerichteten Krankenhäusern der Region.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderte sich der Alltag im St. Antonius-Hospital grundlegend. Ab 1941 diente das Krankenhaus als Reservelazarett zur Versorgung verwundeter Soldaten. Trotz der schwierigen Kriegsjahre wurden weiterhin auch Zivilpatientinnen und -patienten behandelt. Nach dem Ende des Krieges kehrte das Haus 1946 schrittweise zu seinem regulären Betrieb zurück.

Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren nahm das Anton 1946 wieder seinen regulären Krankenhausbetrieb auf. Das Haus musste sich von den Folgen des Krieges erholen und die medizinische Versorgung der Bevölkerung neu organisieren. Die St. Antonius Gemeinde übernahm wieder die volle Verantwortung. Trotz knapper Ressourcen entwickelte sich das Krankenhaus kontinuierlich weiter und gewann für die Region zunehmend an Bedeutung.

1953 begann eine neue Ära: Aus dem bisherigen Belegkrankenhaus wurde eine moderne Fachanstalt. Dr. Röhr wurde Chefarzt der Inneren Medizin, Dr. Jörling Chefarzt der Chirurgie. Beide waren hauptamtlich am Krankenhaus tätig. Weitere Fachbereiche wie Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, HNO, Augenheilkunde und Dermatologie wurden von spezialisierten Fachärzten geleitet. Mit dieser Neuausrichtung setzte das Haus früh auf medizinische Spezialisierung.

Mit der Einrichtung einer eigenständigen urologischen Fachabteilung begann ein neues Kapitel. Die Spezialisierung legte den Grundstein für eine Entwicklung, die Gronau in den folgenden Jahrzehnten international bekannt machen sollte. Aus den Anfängen entstand eine Klinik, die heute zu den führenden Zentren für urologische Erkrankungen und robotergestützte Chirurgie weltweit zählt.

Die steigende Zahl der Patientinnen und Patienten machte einen weiteren Ausbau notwendig. Mit dem Neubau erhielt das St. Antonius-Hospital moderne Stationen, Funktionsbereiche und Operationssäle. Das Gebäude prägte über viele Jahrzehnte das Erscheinungsbild des Krankenhauses und schuf die Voraussetzungen für eine zeitgemäße Patientenversorgung.

Mit der Gründung der St. Antonius-Hospital Gronau GmbH erhielt das Krankenhaus eine neue organisatorische Struktur. Die moderne Unternehmensform schuf die Voraussetzungen, um auf die wachsenden Herausforderungen im Gesundheitswesen flexibel reagieren und die Entwicklung des Hauses langfristig sichern zu können.

Mit dem Bau des Gesundheitszentrums wurde das medizinische Angebot deutlich erweitert. Ambulante und stationäre Versorgung rückten enger zusammen, Wege wurden kürzer und die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche intensiviert. Damit entwickelte sich das St. Antonius-Hospital zunehmend zu einem modernen Gesundheitscampus.

Im Februar 2006 wurde in Gronau erstmals eine Prostataoperation mit dem da Vinci-Operationssystem durchgeführt. Das St. Antonius-Hospital gehörte damit zu den Pionieren der robotergestützten Chirurgie in Deutschland. Heute verfügt die Klinik über die weltweit größte dokumentierte Erfahrung in der robotisch assistierten Entfernung der Prostata und zählt international zu den führenden Ausbildungs- und Referenzzentren.

Mit der Eröffnung des European Robotic Institute (ERI) entstand in Gronau eines der bedeutendsten Ausbildungszentren für robotergestützte Chirurgie in Europa. Seitdem reisen Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt nach Gronau, um sich an modernsten Operationssystemen fortzubilden. Das ERI trägt maßgeblich dazu bei, die internationale Spitzenstellung des Standorts weiter auszubauen.

Mit dem neuen Parkhaus verbesserte das St. Antonius-Hospital die Erreichbarkeit für Patientinnen, Patienten und Besucher deutlich. Das moderne Parkhaus schafft zusätzliche Stellplätze direkt am Krankenhaus und trägt zu einer besseren Infrastruktur auf dem gesamten Campus bei.

Mit dem Josef-Haus eröffnete das St. Antonius-Hospital das erste Tageshospiz im Kreis Borken. Das Angebot begleitet schwerstkranke Menschen tagsüber in einer geschützten Atmosphäre und entlastet gleichzeitig ihre Angehörigen. Damit wurde das Versorgungsangebot um einen wichtigen Baustein der palliativen Betreuung erweitert.

125 Jahre nach der Gründung ist das St. Antonius-Hospital einer der größten Arbeitgeber der Region und ein modernes Gesundheitsunternehmen mit rund 1.700 Mitarbeitenden. Jährlich werden zehntausende Menschen stationär und ambulant versorgt. Das Jubiläum steht unter dem Motto Menschlichkeit. Kompetenz. Nähe. Das sind Werte, die das Haus seit mehr als einem Jahrhundert prägen. Dass 2026 zudem die 25.000. Roboter-assistierte Prostatektomie operiert wurde, zeigt, wie hochprofessionalisiert das Haus inzwischen ist.

Zeit für die Menschen

Schwester Richara – die letzte Ordensschwester

Ein Gespräch über Heimat, Seelsorge und das, was das „Anton“ ausmacht.

Schwester Richara
„Für mich persönlich ist es ein Stück Heimat.“

Wer wissen möchte, wie sich die Geschichte des St. Antonius-Hospitals jenseits aller Zahlen anfühlt, der muss sich auf den Weg nach Münster machen. Dort lebt im Mutterhaus der Franziskanerinnen von Münster-Mauritz Schwester Richara – die letzte Ordensschwester, die im St. Antonius-Hospital Gronau tätig war. Seit knapp drei Jahren lebt die heute 77-Jährige wieder dort, wo ihr Ordensweg einst begann.

Schwester Richara empfängt herzlich. Natürlich in Ordenstracht. Sie trat 1967 in den Orden ein. Damals zählten die Franziskanerinnen weltweit rund 3.000 Mitglieder, heute sind es noch etwas mehr als 500. 1998 kam sie nach Gronau. Dort arbeitete sie bis zu ihrem Abschied im November 2023 als Krankenhausseelsorgerin.

Was ist das St. Antonius-Hospital für Sie, Schwester Richara?

Für mich persönlich ist es ein Stück Heimat. Es war eine gute Zeit in Gronau. Ich habe mich dabei nie im Vordergrund gesehen, sondern war immer bei den Menschen. Besonders dann, wenn sie jemanden brauchten.

Wie haben Sie Seelsorge verstanden?

Ich war Tag und Nacht erreichbar. Über mein Funktelefon kamen dann Anrufe wie: Wir brauchen dich jetzt hier auf der Intensiv. Dann bin ich da hingegangen und habe versucht, mich erstmal in die Situation einzufinden. Manche Patienten waren ansprechbar, andere nicht. Ich habe häufig erstmal den Arm oder die Hand berührt und gesagt: Ich bin da. Zuhören ist besonders wichtig, den Menschen zeigen, dass man sich Zeit für sie nimmt. Es kommt dabei nicht auf viele Worte an.

Haben Sie sich an bestimmten Grundsätzen orientiert?

Jede Situation, jeder Mensch ist anders. Darauf habe ich jeweils reagiert. Ich habe mir immer gesagt: Mach es so, wie ich es selbst gerne bei mir hätte. Für mich galt immer: Nicht mit der Tür ins Haus fallen.

Was war ein besonderes Erlebnis?

Ich weiß noch, es war Dienstag und ich kam gerade von der Chorprobe. Da klingelte mein Funktelefon, die Pforte war dran. Ein junger Mann, 20 Jahre alt, hatte sich das Leben nehmen wollen. Die Ärzte rangen um sein Leben und die Eltern waren verzweifelt. Ich erzählte den Eltern, dass sich der Halbbruder meiner Mutter auch das Leben genommen hatte. Irgendwie passte das.

Was fehlt, wenn keine Ordensschwestern mehr im Krankenhaus tätig sind?

Es fehlt Zeit für die Patienten. Aber das liegt nicht nur an den Schwestern, das liegt am Personalmangel, an der Alltagshektik. Das Besondere am St. Antonius-Hospital war immer, dass dort nicht nur medizinisch behandelt wurde. Es ging immer auch darum, den Menschen zu sehen und zu begleiten. Und das ist auch heute noch so.

Was wünschen Sie dem Anton für die Zukunft?

Dass es trotz aller schwierigen Umstände so bleibt, wie es ist. Dass es weiterhin den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Seit 1901 für Sie da

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch

125 Jahre Menschlichkeit, Kompetenz und Nähe – und wir sind noch lange nicht am Ende unserer Geschichte. Wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit Ihnen weiterzuschreiben.

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