Wir reden drüber…!


Vortrag zu Hilfen bei Blasen- und Darm-Inkontinenz

06.11.2019

Mit geschätzt mehr als neun Millionen Patienten gehören Kontinenzprobleme sowie die sogenannten Senkungsbeschwerden, hervorgerufen durch Gebärmutter-, Blasen- oder Darmsenkung, zu den Volkskrankheiten. Häufig sind ältere Menschen betroffen, aber es können auch schon junge Menschen darunter leiden. Reden möchten die Betroffenen darüber am liebsten gar nicht – nicht mal mit ihrem Arzt. Mehr als 60 Prozent der Betroffenen scheuen den Arztbesuch, und über die Hälfte der betroffenen Deutschen, so aktuelle Schätzungen, findet sich mit der Inkontinenz ab. Risikofaktoren für Blasenschwäche können Geburten, Hormonmangel, Alter oder Übergewicht sein, aber auch chronische Erkrankungen wie Asthma, Diabetes, etc. 
Ihre Situation finden viele Menschen irgendwann „normal“ oder denken, dass dies eben ab einem gewissen Alter dazugehöre. Dabei können die Beschwerden in den meisten Fällen gelindert werden oder sind oft sogar heilbar. 

 

Abfinden muss sich mit dem Problem heute niemand mehr, da es für die allermeisten Erkrankungen schnelle und effektive Behandlungen gibt. Voraussetzung dafür: Die Betroffenen müssen sich einem Arzt anvertrauen und offen über das Problem sprechen. Der Vortrag mit verschiedenen Experten des Gronauer Teams bietet Gelegenheit, sich zu Ursachen und möglichen Therapien zu informieren und mit Ärzten ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Hilfe zu finden.

 

Sehr gute Erfahrungen hat das Team unter Leitung von Dr. Mustapha Addali mit dem breiten Angebot spezieller Sprechstunden für Männer und Frauen. In den Gesprächen wird laut Dr. Addali schnell deutlich, dass es eigentlich niemanden gibt, der noch nicht mit Inkontinenz-Beschwerden in irgendeiner Form in Berührung gekommen ist. Zumindest im näheren sozialen Umfeld. Umso wichtiger sei es für Patientinnen und Patienten, aber auch für Hausärzte und Einweiser als Kompetenzpartner zur Verfügung zu stehen, betont Addali.

 

Das interdisziplinäre Team am St. Antonius-Hospital verfügt über eine hervorragende Infrastruktur und Expertise in den verschiedenen Fachgebieten. Dazu gehören vor allem die Kliniken für Urologie, Gynäkologie, Allgemeinchirurgie und Gastroenterologie. Darüber hinaus gehören die Abteilungen für Physiotherapie, Schmerztherapie und Anästhesie sowie die spezielle Pflege zu den Leistungskomponenten des anerkannten und von der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifizierten Zentrums.

 

Dementsprechend breit gefächert sind die Themen der Vorträge der Mediziner. Den Anfang mach Prof. Dr. Dr. Matthias Oelke, der als Ltd. Arzt des Wissenschaftszentrums und als Oberarzt in der Gronauer Urologie tätig ist. „Moderne Therapie der Dranginkontinenz“ lautet der Titel seines Vortrages. Als Dranginkontinenz bezeichnet man den starken, unwillkürlichen und nicht unterdrückbaren Harndrang mit Urinverlust. Nahezu 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ist betroffen. Die Dranginkontinenz beeinträchtigt die Lebensqualität des Betroffenen meistens sehr stark. Der starke Harndrang, das häufige Wasserlassen am Tag und während der Nacht sowie der unwillkürliche Urinverlust führen häufig zur sozialen Isolation. Die Dranginkontinenz kann mit einer Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten gut behandelt werden, die stufenweise eingesetzt werden. Über diese Therapien berichtet Prof. Oelke an diesem Abend.

 

 

Zum Thema Belastungsinkontinenz und mögliche Folgen spricht Dr. Mustapha Addali, Koordinator des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Die Belastungsinkontinenz ist eine der häufigsten Formen der Harninkontinenz und beschreibt den Urinverlust bei körperlicher Aktivität ohne spürbaren Harndrang. Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie und meist schwangerschaftsbedingter Beckenbodensenkungen besonders häufig davon betroffen. Typische Auslöser des Urinverlustes sind etwa Niesen, Lachen, Treppensteigen oder auch das Heben von Gegenständen. Bei mehr oder weniger starkem Druck auf den Bauchraum können die Betroffenen den Urin nicht mehr halten, obwohl vorher keinerlei Harndrang zu verspüren war. Einige Frauen verlieren dann nur ein paar Tröpfchen Urin, andere durchaus mehr. Auch bei Männern kann es zur Belastungsinkontinenz kommen. Ursache ist in der Regel ein geschwächter Blasenschließmuskel u.a. nach einer Prostataoperation, einer Bestrahlung oder Operationen im Becken. 

Über die weiteren Ursachen, Funktionsstörungen und Therapiemöglichkeiten der weiblichen und männlichen Harninkontinenz berichtet der Urologe Dr. Mustapha Addali in seinem Vortrag.

 

 

Anschließend berichtet Frau Dr. Geertruida van Wonderen, Oberärztin in der Gynäkologie, über Beschwerden durch Gebärmuttersenkung und Gebärmuttervorfall, also die Lageveränderung der Gebärmutter. Durch das natürliche Absenken der Gebärmutter können die Harnblase und der Darm ebenfalls absinken und sich dann in die Scheide vorwölben. Rund ein Drittel der Frauen sind im Laufe ihres Lebens von Senkungsbeschwerden betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Betroffenen. Am häufigsten machen sich die Beschwerden in oder nach den Wechseljahren bemerkbar. Die Beschwerden sind abhängig von der Art und dem Schweregrad der Senkung. Mögliche Symptome sind Rückenschmerzen, Druckgefühl, Schmerzen im Unterbauch, das Gefühl von Schwere und Ziehen im Becken, Fremdkörpergefühl in der Scheide bis hin zum Herausragen der Gebärmutter aus der Scheide. Eine Gebärmuttersenkung ist heute gut zu behandeln, sowohl mit konservativen, als auch mit operativen Therapien. Welche Therapie gewählt wird, hängt nicht nur von den subjektiven Beschwerden ab, sondern auch vom Schweregrad der Senkung beziehungsweise den zusätzlichen Symptomen, zum Beispiel von Inkontinenz, vom Alter und vom Allgemeinzustand der Patientin. 

 

Auch Stuhlinkontinenz ist ein weit verbreitetes Problem für betroffene Personen und deren Angehörige. Zu dem sensiblen Thema referiert Stefan Ruf, Oberarzt der Allgemeinchirurgie am St. Antonius-Hospital Gronau. Während viele Betroffene das Thema Stuhlinkontinenz aus Schamgründen verdrängen und sich mit allen erdenklichen Mitteln arrangieren, wird oft verkannt, dass es sich um eine funktionelle Störung handelt, die oft gut behandelbar ist. Therapien und geeignete Hilfsmittel sind weit entwickelt und tragen dazu bei, ein weitgehend ungetrübtes Sozialleben zu führen. Stefan Ruf möchte mit seinem Vortrag einen Einstieg in die medizinischen Ursachen der Stuhlinkontinenz ermöglichen und den Weg zu Therapiemöglichkeiten ebnen.

 

Die Vorträge beginnen um 19.00 Uhr und dauern insgesamt ca. 90 Minuten. Im Anschluss stehen die Experten für persönliche Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist frei. 

 

Aus organisatorischen Gründen wird um Anmeldung bis zum 31.10.2019 bei Frau Karina Notthoff, Pflegekoordinatorin des KBBZ gebeten. Diese kann auch anonym erfolgen. Tel.: 02562 - 915 78 78, E-Mail: kbbz@st-antonius-gronau.de

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